Dienstag, 23. Februar 2010

In Erinnerung an diesen Winter






Ich bewege mich nicht mehr. Also nicht gar nicht mehr, aber ich versuche jede außerhäusliche Bewegung und damit sämtlichen Kontakt zu vermeiden. Ein Blick aus meinem Fenster reicht mir und ich weiß, wie die Stadt aussieht: Weiß!

Wenn ich dann doch mal aus dem Haus treten muss, dann ohne jegliche Vorfreude auf den neuen Tag oder den Willen die leichte, frische Luft einzuatmen. Nein, es ist keine leichte, frische Luft mehr da. Sie ist beißend und eisig geworden, ein Schluck zu viel und man muss sich kämpfend gegen die Wand lehnen um irgendwann weitergehen zu können.....

Wenn es doch wenigstens ein Gehen wäre. Nein, es ist stampfen, malträtieren. Uns selbst oder das verhasste Geschöpf? Solange man sich gerade in die vorgegebenen Laufrillen fügt, fällt man nur einige wenige Male zur Erde, hat man Glück strauchelt man lediglich. Möchte man jedoch, was kein Räumdienst dieser Welt vorauszusagen vermocht hätte, die Straßenseite wechseln, steht man vor einem mannshohen Grenzwall. „Du kannst nicht vorbei!“ scheint mir die Masse entgegen zu raunen, die mir längst bis unter die Achseln reicht. Wo soll das hinführen? Bewegen wir uns im Winter jetzt alle in Schienen, verdammt alle in die Selbe Richtung zu laufen obwohl wir dort gar nicht hinwollen? Und im Sommer springen wir wieder fröhlich durch die Gegend als wäre nichts weiter gewesen, ohne jegliche Scham. Als ob nicht schon jedes noch so harmlose Sommergewitter seine unersättlichen Gierhände nach uns ausstrecken würde.....

Der Winter ist grausam. Jedes Jahr werden ihm als Opfergabe Menschen auf die Straße gelegt, ihm zum Fressen vorgeworfen. Und er löst jedes einzelne ein. Wenn ich nicht genug aufpasse, knabbert er bereits an meinen Händen, wenn ich keine Schutzhandschuhe trage und zu lange draußen bin. Egal welches Schuhwerk, nach spätestens zehn Minuten hat er sich triefend an meinen Füßen zu schaffen gemacht.....

Ich gehe nicht mehr raus. Ich werde keinen Blick mehr auf die Stadt werfen. Ich werde mich in meinem Bett einigeln und Winterschlaf halten. Ich werde als letztes Bataillon auf den Frühling warten. Und er kommt. Ich weiß es. Er muss.....

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